Geschichte

Wie ging es los ?
Der Kunstwestthüringer e.V. ging hervor aus einer Kulturbundgalerie, von Kunsterzieher Franz Prinich 1975 begründet; in den 80-er Jahren Mitarbeit von Siegfried Böhning, Jürgen Winter und Peter Zimmer. Das schon damals sehr lebendige Galeriekollektiv der Galerie am Entenbühl (Leiter Siegfried Böhning) und der Freundeskreis Bildende Kunst (Leiter Franz Prinich) entwickelten 1990 die Idee eines Kunstvereins mit dem Gründungsinitiator Siegfried Böhning und der Namensidee von Peter Zimmer. Die Frage war: Welche Organisation und Struktur war in diesem sich rasant verändernden gesellschaftlichen Kontext angemessen ?

  • offizielle Gründungsveranstaltung am 05.11.1990,
    Vorstand: Siegfried Böhning, Marion Walther, Friedrich Rittweger, Jürgen Winter, Peter Zimmer (Geschäftsführer)
  • erste Gruppenausstellung
    „Auftakt“, Jost Heyder entwarf das Signet des Vereins

Was gelang in den ersten 15 Jahren des Bestehens?
Die sich entwickelnde Netzwerkarbeit mit den Mühlhäuser Museen (Jürgen Winter/ Abteilung Kunst) ermöglichte die Einrichtung der ersten Geschäftsstelle des Vereins in der Museumsgalerie Allerheiligen und dessen Jahrespräsentationen und Sonderausstellungen von Vereinsmitgliedern (Siegfried Böhning, Jost Heyder, Franz Prinich – 1991; Thomas Fischer – 1992; Christine Glasow, Rüdiger Mußbach – 1993).

Der Verein betreute weiterhin die Ausstellungen im Kulturbund
Im Herbst 1992 war Siegfried Böhning erster Projektleiter mit dem Projekt „Zeitbrücken“. Die erklärte Zielstellung des Vereins: über die lokale Kunstszene hinausgehend, kooperierend mit anderen Künstlern und Regionen, auch internationale Verbindungen suchend und einladend. Beispiel dafür: die „Bollstedt-Trilogie“ (1992 „Zeitbrücken“, 1993 „Auszeit“, 1994 „Zeitlos“; über fünfzig Künstler und Künstlerinnen aus ganz Deutschland, auch aus Israel, waren beteiligt)

Hohes Engagement:

  • 1994 elf aufwändige Kunstprojekte, Gruppenausstellungen in Münster, Tourcoing, Abschluss der Bollstedt-Trilogie; 1995 Aufbau einer eigenen Galerie im Haus der Kreisvolkshochschule, Wahlstraße 40; Einrichtung der Geschäftsstelle ebenda und „Galerie o.T.“, Einweihung mit der Ausstellung „Prolog“; Beschluss der formalen Loslösung vom Kulturbund; erste Mühlhäuser Kunstauktion; Faltblatt „Vorstellungen“ zum fünfjährigen Bestehen
  • Immer professioneller werdende ehrenamtliche Arbeit im Verein, Mitglieder in Beiräten und Jurys, Kooperation mit kulturellen Partnern; seit 1996 Tage des offenen Ateliers
  • Ausstellungsinitiative „Art offensiv“; künstlerisches Nutzungskonzept für Kloter Anrode (1997) und Einrichtung einer Druckwerkstatt in Anrode; Beginn von „Kunst in Kirchen“ (1998)
  • Umzug von Verein und Geschäftsstelle in den Lindenbühl 28/29 ins Haus der Vereine, Einweihung mit Ausstellung „Zeitschnitt“
  • Wesentliche inhaltliche und gestalterische Impulse mit Vorstandsarbeit von Kathrin Prinich-Heutzenröder (1997); der Verein wird mit seiner hervorragenden Arbeit nach zehn Jahren seines Bestehens zum festen Begriff in der Thüringer Kunstlandschaft – überregional!
  • Zur Vorstandswahl 1999 Verzicht des Führungsduos Winter/ Böhning auf erneute Kandidatur, Forderung nach Satzungsänderung mit dem Ziel neuer Eigenverantwortlichkeit aller Mitglieder für den Verein; 2000 Vorsitzende Marion Walther (maßgebliche Profilgewinnung des Vereins mit von ihr betreuten Projekten wie 1995 in Essen, Gotha 1997, Münster 1998) und Geschäftsführerin Kathrin Prinich-Heutzenröder
  • 2000 die Jubiläumsausstellung zum zehnjährigen Bestehen, „panta rhei“
  • Neue programmatische Ausrichtung: Gründung der Jugendkunstschule (Leitung Kathrin Prinich-Heutzenröder) innerhalb des Kunstwestthüringers e.V., beginnende finanzielle Kürzungen; Ausstellung „Der Engel ist in allen Dingen“ und begleitendes Künstlerbuch; „Zeitenwende“ am Kyffhäuserdenkmal (Projekt-Leitung Andreas Brinkel), „Kunst in Kirchen II“ (Leitung S. Böhning)
  • erneute räumliche Veränderung ist 2001/02 Umzug in die Dr. Wilhelm-Külz- Straße 20
  • Im Frühjahr 2003 geht Marion Walther vom Vorsitz in die zweite Reihe in den Vorstand und widmet sich der Jugendkunstschule; neuer Vorsitzender Andreas Brinkel bis Frühjahr 2005.
  • Wachsende Profilierung der Jugendkunstschule, starke Wahrnehmung beim Publikum
  • Fortsetzung „Kunst in Kirchen“ 2004; Projekt „Europäischer Botenstab“ (2000 gestartet, 2002 abgeschlossen) findet  seine variierte Weiterführung im Projekt „Begegnungen“ (europaumfassende Holzstock-Gestaltung unter Projektleitung von Kathrin Prinich-Heutzenröder, Siegfried Böhning, Reinhard Mietzger), öffentliche Druck-Vorführung und Kunstfest dazu
  • Im Vorfeld des 15-jährigen Vereinsjubiläums Zwischenbilanz mit „Fotografien – Porträts / Interieur“, Ulrich Eifler, (seit 2004 Geschäftsführer des Vereins) im Sparkassenhaus; alle Künstler und Künstlerinnen des Vereins wurden porträtiert
  • 2005 neu gewählter Vorstandsvorsitzender: Reinhard Wand

Die Jahre von 2005 bis heute
Die Vermittlung zeitgenössischer Kunst nimmt in der Vereinsarbeit des Kunstwestthüringers e.V. Mühlhausen naturgemäß einen vorrangigen Platz ein. Eine große Vielfalt dieser Arbeit ist für diesen Verein hervorragendes Merkmal. Dies fand und findet statt in der Arbeit vor Ort in Ausstellungen im Vereinshaus (in der Galerie o.T.), aber auch an anderen Ausstellungsplätzen in der Stadt und darüber hinaus, in der Verfolgung von Kunstprojekten und in Kooperationen mit anderen Kunstvereinen. Eine dritte wichtige Säule trägt die Vereinsarbeit: die Jugendkunstschule. Beispielhaft nun einige Auszüge aus genau dieser umfangreichen und außerordentlich vielfältigen Arbeit des Kunstwestthüringer e.V. der letzten fünf Jahre: Die Galerie o.T. im Vereinshaus in der Dr. Wilhelm-Külz-Straße zeigte in bewährter Manier und im Allgemeinen mit guter Resonanz (zumindest bei den Eröffnungen) ihre Kunst-Angebote, wie zum Beispiel „Vom Dünkel angefingert“ (der Ostthüringer Kay Voigtmann, 2006) oder „Warum mein Loch im Bauch anders ist als deins“ (die Fotografin Maren Krings aus Bad Langensalza, 2006). Dass es dabei nicht nur beim bloßen Wahrnehmen der Kunstwerke bleibt, wurde deutlich in der Ausstellung von Oliver Henkel aus Usingen/Taunus „Rote Lippen“ (2006), sie stieß bei den Besuchern – und nicht nur bei ihnen – auf herbe Ablehnung: Was kann, was darf Fotografie, wo sind sittlich – moralische, auch ästhetische Grenzen und wo ist es pure, mögliche, „erlaubte“ Provokation? Künstler und Künstlerinnen als Gäste aus anderen Regionen oder soga r aus anderen Ländern stellten traditionsgemäß ebenfalls in Abständen aus in der vereinseigenen Galerie. Im September 2007 gab es zum Beispiel eine Schau der Künstlergruppe „argekunst“ aus Hannover, in der auch Thomas Helmboldt vom Verein mitarbeitet, oder die Arbeiten von A. Nádas und G. Nagy aus Ungarn 2008. Jahresausstellungen – Dokument des künstlerischen Arbeitens, der Entwicklung und des Verwerfens, sie fanden alljährlich statt und boten ein Podium für den Austausch und die Kommunikation schlechthin. Ebenfalls einmal im Jahr seit 1995 wird die Kunstauktion mit dem Auktionator Peter Zimmer angeboten. Begleitet wurde und wird sie von einer Schauwoche im Vorfeld, in der die zu versteigernden Kunstwerke dem interessierten Publikum gezeigt werden. Die Kunstprojekte spielten und spielen in der Vereinsarbeit eine besondere Rolle, weil sie ein hohes Maß an inhaltlichen und organisatorischen Leistungen erfordern, häufig über einen längeren Zeitraum und bei voller Nutzung der Netzwerkmöglichkeiten, die ebenfalls Ergebnis langen Ringens um potenzielle Partner in den Kunst-Belangen sind: „Über sieben Länder kam der Botenstab, an jeder Station Stück für Stück gestaltet, nach Mühlhausen zurück. Zum Jahrtausendbeginn hatten ihn Siegfried Böhning und Reinhard Mietzger auf den Weg gebracht, nun blinkt er als Signal für Toleranz und Kommunikation in der Ausstellung zu fünfzehn Jahren Kunstwestthüringer e.V. … Wie anders wäre eine Künstlergruppe zusammenzuhalten? Denn wie jede Künstlergemeinschaft vereint der Kunstwestthüringer e.V. Individualitäten, die neben Bindungsfähigkeit auch ´Gruppensprengstoff´ in sich haben … Wie ihre Vorgänger … leitete sie (Marion Walther als Vorsitzende des Vereins) mit solidarischer Gerechtigkeit, Toleranz und ideenvollem Engagement den Kunstwestthüringer … Doch vor allem bot die Allerheiligenkirche mit ihrem treuen Leiter Jürgen Winter Heimstatt … die Ausstellungen wiesen nach, dass es dem Kunstwestthüringer, entsprechend seiner Zielstellung, immer wieder gelang, künstlerische Potenzen zu bündeln.“ So wertete Peter Arlt in der Thüringer Allgemeinen vom 7.11.2005 diese wichtige Ausstellung. Noch heute ist dieser Botenstab als Schenkung des Kunstwestthüringer e.V. an die Mühlhäuser Museen in der Museumsgalerie der Allerheiligenkirche zu sehen. Im selben Monat vergab die Wirtschaftsinitiative Westthüringen einen hochdotierten Förderpreis an den Kunstwestthüringer, den zweiten von drei Preisen: Der Kunstverein hatte gemeinsam mit Schülern der Jugendkunstschule und behinderten Schülern das Projekt „Transparenz“ gestaltet, – eine Premiere in dieser Zusammenarbeit – dessen Ergebnisse in der Einangshalle der neuen Förderschule der Mühlhäuser Werkstätten einen Platz fanden.  Die Idee und die Leitung für dieses Projekt lagen bei Ulrich Eifler, der die Aktionen des Projekts dokumentarisch im Video festgehalten hatte. (Der 3. Preis ging an ein Projekt der 3k – Theaterwerkstatt.) Ab März des Jahres 2006 wurden die künstlerischen und logistischen Kräfte des Vereins aufs Äußerste gefordert in einem besonderen Projekt, das den Glanzpunkt der Vereinsarbeit in diesem Jahr darstellte – das Projekt „Verbindungen: „mail – art Brückenvisionen Brückenprojekte“, das eine Aktion des Vereins zum Röbling- Jahr und zum Tag des offenen Denkmals in der Heimatstadt darstellte. Es bestand aus drei Teilobjekten:

  • „mail-art“ – 205 Künstler und Künstlerinnen aus 30 Ländern, sogar aus Panama, Kuba, Uruguay sandten ein Kunstwerk im Postkartenformat an den Verein zum Thema: „Röbling – Brooklyn Bridge – Mühlhausen“ – ein internationales Kunstwerk !
  • „Brücken – Visionen“ – verschiedene KünstlerInnen sandten ihre Vision einer Brücke für potenzielle Brückenstandorte in Mühlhausen. Dabei ging es nicht darum, dass diese Visionen in der Realität umsetzbar seien, sondern es ging eher um Fantasiebrücken, Gedankenbrücken, Wort- und Lichtbrücken.
  • „Brückenbau“ – in enger Zusammenarbeit mit der Jugendbauhütte wurden drei dieser Entwürfe ausgewählt und nachgebaut. (Im Übrigen steht für die praktische Arbeit in der Jugendbauhütte, in der Jugendliche ihr freiwilliges Jahr in der Denkmalpflege leisten, auch Marion Walther als Fachreferentin zur Verfügung.) Für acht Wochen standen diese Objekte am Hanfsack, am Kugelleichsweg und an der Puschkinstraße.

Für die Vorbereitung und die Durchführung involviert. Eine Brücke zu schlagen von der alten in die neue Welt wie einst Röbling aus dem kleinen Mühlhausen mit dem Bau der Brooklyn-Bridge in New York, das fand in dieser Idee des Kunstvereins grandiose Wirkung und wurde im Oktober mit einer Finissage beschlossen. Für dieses Projekt gab es eine  willkommene offizielle Resonanz: Im November 2006 wurde dem Kunstwestthüringer e.V. Mühlhausen erneut ein Förderpreis der Wirtschaftsinitiative Westthüringen e.V. auf der Wartburg zu Eisenach verliehen. Unter der Schirmherrschaft von Frau Professor Dagmar Schipanski wurden damit Talente und Projekte gewürdigt, die einen wertvollen Beitrag für die Region Westthüringen leisten. Mit der Ausstellung „Drunter und drüber“ (Werke von Bernhard Jäger) begann in der Galerie o.T. im Juni 2007 das Projekt „Afrika“ des Vereins, gemeinsam mit der Jugendkunstschule. Der „Kleine Kultursommer“ fand im Rhythmus von zwei Jahren im Projekt Kunst in Kirchen seine traditionsgemäße Weiterführung. Bildende Kunst von KünstlerInnen, Musik und Theater rückten in schöner Symbiose für mehrere Wochen Kirchen in den Fokus des öffentlichen Interesses. Die Pfarrer dieser Kirchen unterstützten bereitwillig die immensen Vorbereitungen. Kunstfeste, in jedem Jahr üblich seit dem Bestehen der Jugendkunstschule und in Zusammenarbeit mit ihr, wurden und werden freundlich angenommen, besonders von Schülern der Jugendkunstschule und ihren Eltern; manchmal ergibt sich die Verbindung mit der Jahresausstellung des Kunstwestthüringers, sodass eine Schau der kleinen und großen Künstler zustande kommt. Jährlich wurden und werden unter der Schirmherrschaft des Verbands Bildender Künstler in Thüringen die Tage des offenen Ateliers initiiert, an denen immer auch Vereinsmitglieder teilnahmen und es noch tun. Diese Einblicke in die Arbeits- und Lebenswelt der KünstlerInnen erhalten Aufmerksamkeit und Zuspruch von Kunstinteressierten und Presse und wurden inzwischen ebenfalls zu einem schönen Brauch. Neben der Projektarbeit und der Ausstellungstätigkeit im Vereins-Haus profitierte die kunstinteressierte Öffentlichkeit auch im Mühlhäuser Kulturbund von der Arbeit  der Mitglieder des Kunstwestthüringers: zum Beispiel der Erfurter Dieter Hennig im November 2005, Ulrich Eifler mit Fotografien 2005, Jost Heyder und Siegfried Böhning, beide 2006, Reinhard Mietzger 2007. Weitere Ausstellungsstandorte in Mühlhausen wurden und werden die gesamte Zeit des Vereins-Bestehens hindurch „bespielt“ durch Vereinsmitglieder, zum Beispiel das Gesundheitszentrum am Forstberg, die Warteräume der Radiologie im Unstrut-Hainich-Krankenhaus, die Räume der Barmer, Anwaltskanzleien und physiotherapeutische Einrichtungen. Seit 2005 gab es in diesen Ausstellungsstandorten in der Stadt jährlich acht Ausstellungen, die so eine Präsenz neuer Arbeiten von Vereinsmitgliedern ermöglichte ! Das Sparkassengebäude der Unstrut-Hainich-Sparkasse, die langjähriger Sponsor des Kunstwestthüringers war und ist, spielte eine weitere wichtige Rolle in der Ermöglichung von Kunst-Begegnungen. Dies ist einer ganz hervorragenden Zusammenarbeit zu danken, insbesondere mit dem Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse Unstrut-Hainich, Herrn Manfred Pape und Frau Hannelore Dämmer (Öffentlichkeitsarbeit). So stellten im März 2006 Kathrin Prinich-Heutzenröder (die damalige Leiterin der Jugendkunstschule) und Anne-Kathrein Maschke (Jugendkunstschule „imago“, Erfurt) zusammen hier aus: „Schillernde Tulpen“. Diese Ausstellung ergänzte Ulrich Eifler mit Fotografien. Im Sparkassengebäude gab es dann im November 2007 eine Präsentation besonderer Art: Grafik und Lyrik gingen eine Symbiose ein in einer Grafikmappe, entwickelt von Marion Walther, Ellen Heuck und Ute Zyrus. Seit seiner Gründung hat der Kunstverein eine enge Kooperation mit den Mühlhäuser Museen (besonders mit Jürgen Winter als Leiter der Abteilung Kunst) entwickelt – im Sinne einer Netzwerkarbeit in der heimatlichen Region. Eine ganze Reihe glänzender Gemeinschaftsprojekte und Publikationen belegt dies. Noch im Januar 2007 zeigte eine gemeinsam entwickelte Jubiläumsausstellung im großen Präsentationsraum der Mühlhäuser Museen die hohe künstlerische Meisterschaft von Franz Prinich, verdienstvoller Kunsterzieher, Gründungsmitglied des Kunstvereins und Grafiker. Anlass war sein 80. Geburtstag. Das Projekt „Kunst in Kirchen“ 2008, betreut von Siegfried Böhning vom Kunstverein und Ines Gliemann (Untere Denkmalschutzbehörde des Landkreises), wurde mit einer Auftaktveranstaltung mit Arbeiten von Thomas Lindner in der Marienkirche Mühlhausen ebenfalls von Jürgen Winter, dem Stellvertretenden Direktor der Mühlhäuser Museen, eröff net. Im Januar 2010 gab es eine große Ausstellung zu Ehren des 60. Geburtstags von Siegfried Böhning, einem verdienstvollen Urgestein des Kunstvereins, im Mühlhäuser Museum am Lindenbühl. Eine Reihe von Kunst-Präsentationen, bei denen Vereinsmitglieder beteiligt waren und sind, belegen … die Ausstrahlung des Vereins nach „draußen“, überregional: Im Jahre 2004 stellten Vereinsmitglieder in Oldenburg aus, desgleichen gab es einen Künstleraustausch mit Kolleginnen und Kollegen der Künstlervereinigung Fürstenfeldbruck dort und in der „Galerie o.T.“. Im November 2006 gab es im Telekom-Tagungshotel in  Ismaning bei München eine Exhibition mit 60 Arbeiten von 20 Mitgliedern des Vereins. Auch private Veranstalter geben zuweilen die Möglichkeit zur Begegnung mit Gegenwartskunst: In der Galerie Burg Großbodungen wurde eine Ausstellung, „Thüringen im Blick“, an der einige Vereinsmitglieder aus Mühlhausen teilnahmen, dem Arnstädter Grafiker Otto Paetz gewidmet. (2006) 2007 wurde eine Kooperation mit dem Partnerkreis Wetterau initiiert – 36 Bilder und Objekte von Vereinsmitgliedern wurden dort im Dienstleistungszentrum des Friedberger Kreishauses ausgestellt. Als Akteur, Organisator und Betreuer fungierte Ralf Klement in bewährter Manier bei einem Bildhauersymposion in Dachrieden, – am Pilgerweg Loccum – Volkenroda sollte Dachrieden zum „Skulpturendorf am Pilgerweg“ werden. (September 2007) Dazu lief parallel eine Ausstellung in der Galerie o.T. im Vereinshaus. Die vielseitige Kunst- und Kulturlandschaft im thüringischen Raum zeigte 2008 wieder die „artthuer“ (die sechste ihrer Art ) in Erfurt, an der Reinhard Wand, Siegfried Böhning, Marion Walther, Reinhard Mietzger und Rüdiger Mußbach vom Verein teilnahmen. Im November 2009 in Eslohe wurde eine Ausstellung organisiert, 15 Künstler des Vereins mit 61 Werken nahmen daran teil. („Kunstbrücken“) Die Ausstrahlung des Vereins nach draußen gelang auch mit sieben Werken von vier Künstlern des Vereins im KUNST Pavillon in Eisenach: „Deutsche 9 – die Jahre um 1989“ (2009). Statt des bisherigen Vorstandquintetts nahm nun, 2007, ein neues Trio für zwei Jahre die Vereinszügel in die Hand: Reinhard Wand (Vorsitz), Ralf Klement und Rüdiger Mußbach, bald arbeiteten die beiden Erstgenannten allerdings allein weiter. Ebenfalls im Jahr 2007 wurde deutlich, welche Probleme zukünftig vielleicht sogar existenzieller Natur sein würden für den Kunstverein. Schon seit dem Jahr 2001 verschlechterte sich rapide, was den äußeren Rahmender inhaltlichen und organisatorischen Vereinsarbeit  überhaupt erst möglich macht: die finanzielle Förderung. Mit einer einzigen Ausnahme – der Förderung für das Röbling-Projekt im Jahre 2006 mit seinem klugen Konzept internationalen Charakters. Am 9. März 2007 schrieb die Journalistin Iris Henning (Thüringer Allgemeine), der Verein habe anspruchsvolle Pläne für dieses Jahr, die aber in der Umsetzung außer vom Fleiß und Willen der Mitglieder auch von der finanziellen Unterstützung abhängig seien. Der scheidende Geschäftsführer des Vereins, Ulrich Eifler, meinte, die geplanten Projekte (Afrika- Ausstellung zusammen mit der Jugendkunstschule, traditionelle Jahresausstellung, Skulpturensymposion) seien aus eigener Kraft nicht zu schaffen. Es gebe noch keine Planungssicherheit durch die Unterstützung von Stadt und Landkreis. Und doch waren in der Allerheiligenkirche in der Ausstellung zum Bach-Jahr und zum Internationalen Museumsjahr an der dort ausgestellten Grafik-Mappe „Soli deo gloria“ und bei weiteren Objekten Mitglieder des Kunstvereins beteiligt. Auf dieser Veranstaltung bezeichnete Dr. Rolf Luhn von der SV SparkassenVersicherung/Art regio, einer der treuen Förderer von Kunst und Kultur auch in unseren Breitengraden, die Ausstellung als „Teil der kulturellen Grundversorgung“ und lobte das Netzwerk, das auch diese Schau ermöglicht habe: Museum, Jugendkunstschule, 3k, Kunstwestthüringer e.V., Kreismusikschule. Es zeugt von der Urkraft des Kunstvereins, besonders einer hartnäckig weiterarbeitenden Kerngruppe einzelner Aktivisten, dass trotz der ersten finanziellen Einschränkungen in dieser Zeit die bisher so überaus erfolgreiche Arbeit des Vereins fortgesetzt werden konnte – von heute aus scheint dies fast wie ein großes Aufbäumen vor der finanziell noch schwierigeren Phase, in der der Verein noch immer, und jetzt im 20. Jubiläumsjahr besonders, steckt.

…und heute?
Unter diesem starken Druck von außen gab es allgemeine Irritationen im Verein, ein Erlahmen der kollektiven Kraft und des geistigen Einvernehmens – und die ersten Diskussionen, wo es denn nun hingehen solle mit diesem so verdienstvollen Kunstverein. In diesen Diskussionen wurden die unbequemen, sehr direkten Fragen ganz besonders deutlich von der ehemaligen Vereinsvorsitzenden Marion Walther gestellt. Jedoch war das Jahr 2009 geprägt von dem Bemühen, Traditionelles zu bewahren, zum Beispiel die 13. Mühlhäuser Kunstauktion mit ihrem bewährten Auktionator Peter Zimmer, diesmal im Sparkassenhaus – mit einem noch nie da gewesenen katastrophalen Erfolg. Obwohl für 70 Werke, auch Objekte aus der Kunstsammlung der ehemaligen Hofer-Schmidt-Bank, von nationalem und internationalem Rang geboten werden konnte, war die Kaufzurückhaltung so deutlich wie nie – ein Seismograf für eine gewisse Kunstmüdigkeit in diesem Jahr, gespeist von der allgemein spürbaren Finanzkrise und ihren Negativ-Stimmungen in der Folge. In den Jahren 2008 und 2009 gab es – außer der erfolgreichen Fortsetzung von „Kunst in Kirchen“ – kein künstlerisches Großprojekt wie in den Jahren zuvor. Trotz alledem fand die Jahresausstellung des Vereins in den Galerieräumen statt und es wurde im August 2009 das Kunstfest unter dem Motto „Kleine und große Künstler“ zusammen mit der Jugendkunstschule ausgerichtet. Mit großem Aufwand wurde die schon benannte Gruppenausstellung in Eslohe organisiert, besonders vom Vereins Vorsitzenden Reinhard Wand, dem an dieser Stelle gedankt sein soll für  sein Engagement während seiner sechsjährigen Amtszeit. Eine längere Pause in der Ausstellungstätigkeit der Galerie o.T. wurde im Herbst 2009 beendet mit einer Personalausstellung von Judith Unfug-Leinhos. Im Januar 2010 fand die 19. Blauer Zapfen Kapselvenus Jahresausstellung des Vereins in den eigenen Räumen statt, mit 60 Exponaten. Ein internationales Projekt der „European Artists“ („A 20“ ), achte Station ist Mühlhausen, in Kooperation mit dem evangelischen Kirchspiel ( Einladung, Plakatwerbung) war ein Hilfsprojekt für ein Krankenhaus in Kenia. So wird der Schlusspunkt dieser Kunstaktion eine Versteigerung sein. Ausstellungen der 20 x 20 cm großen Kunstwerke internationaler Künstler und Künstlerinnen, die seit Jahren in Europa unterwegs  sind, gab es in der Galerie o.T. am 6. Mai und in der Kirche Divi Blasii am 9. Mai (mit Beteiligung von Vereinsmitgliedern). Die Auktion fand mit dem Galeristen Peter Zimmer als Auktionator am 6. Juni 2010 im Haus der Kirche am Kristanplatz um 20: 00 Uhr statt. „Wir haben nichts, wollen uns aber in unserem Jubiläumsjahr besonders zeigen: Uns gibt es, wir machen was. Dafür brauchen wir Partner “, dankt Vereinsmitglied Ralf Klement Pfarrer Andreas Schwarze und Superintendent Andreas Piontek (Iris Henning, TA 7. April 2010). Mit einer Eröffnung am 9. Juni 2010 in den Räumlichkeiten des Hauptgebäudes der Sparkasse Unstrut Hainich am Untermarkt in Mühlhausen wurden Arbeiten von Vereinsmitgliedern aus ihrem Eintrittsjahr in den Verein gezeigt: „Am Anfang“ (bis Ende Juli im Sparkassengebäude), um einen Spannungsbogen herzustellen zum künstlerischen Arbeiten heute. Parallel dazu (mit der Eröffnung am 17. Juni ) gab es die Ausstellung „Kopplung“ in der Galerie o.T., die letzte im Vereinshaus in der Dr. Wilhelm Külz-Straße. Sie soll den Höhepunkt im Jubiläumsjahr des Vereins darstellen – bewusst nicht im Gründungsmonat Dezember, sondern in den Sommermonaten, um Besuchern der Stadt bis Ende Juli Gelegenheit zum Schauen zu geben. Ganz unterschiedliche Genres, auch anderer Künste, fanden dabei eine Partnerschaft finden, sodass in einer einmaligen Kunstaktion zur Eröffnung eine Präsentation besonderer Art gemacht werden konnte. In Konzeption und Vorbereitung ist im Moment weiterhin „Über Kreuz“ – so heißt es dieses Mal, das Projekt von „Kunst in Kirchen“. Sieben Wochen lang ist dann der Mühlhäuser Landgraben nicht nur ehemaliger Wall aus dem Mittelalter, sondern er verbindet sieben Kirchen rechts und links davon und die darin präsentierte Kunst verschiedener Gestalt. In schon lange bewährter Zusammenarbeit für dieses Projekt: Siegfried Böhning vom Verein und Ines Gliemann von der unteren Denkmalschutzbehörde im Landkreis. Die Jugendkunstschule unter Leitung von Marion Walther und Ralf Klement stellt mit ihrem Umzug im April dieses Jahres den Kunstverein vor neue Herausforderungen: Der Verein hat nun allein für die Miete im Vereinsdomizil aufzukommen. Also – Untervermietung einiger Räume, auch als Atelierräume. Schwer, unter diesen Bedingungen Ideale und Optimismus zu bewahren. Der neue Vorstand des KwTh wird in diesem Jahr an vorderster Front genau dieses mit höchster Kraft tun: Judith Unfug-Leinhos als Vereinsvorsitzende, Juliane Döbel als Stellvertreterin, Ralf Klement, Ulrich Eifler und Reinhard Wand im Vorstand.

20 Jahre Kunstwestthüringer e.V. Mühlhausen.
Damit reiht sich der KWTh ein in die 200-jährige Tradition der Kunst- vereine in Deutschland. Tradition – ein hehres, oft gebrauchtes, oft missbrauchtes Wort, oder eines, das vielen Missverständnissen ausgesetzt ist. Das zentrale Thema für die Thüringer Abiturienten im nächsten Schuljahr 2011 im Fach Deutsch heißt: „Unter Tradition versteht man nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers.“ (Thomas Morus, und viele andere Autoren sinngemäß) Genau das ist die Aufgabe des KWTh nach nunmehriger 20-jähriger Arbeit, die nur mit viel Durchhaltevermögen, persönlichem Engagement, einem immerwährenden Kampf um Fördergelder und der steten Verfolgung der bei der Gründung des Vereins Jugehegten
Visionen geleistet werden konnte – und kann: Wie ist dieses Feuer der Tradition erneut zu entfachen? Wie sieht es aus, was kann es bewirken? Für wen? Mit wem? Mit welchen Mitteln und neu zu sichtenden Möglichkeiten, besonders unter deutlich erschwerten kultur – politischen und pekuniären Bedingungen? An dieser Stelle gilt der Dank des Kunstwestthüringers e.V. in besonderem Maße seinen Förderern und Wegbegleitern in den zwanzig Jahren seines Bestehens:

  • dem Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur,
  • der SV SparkassenVersicherung/ Art regio,
  • der Sparkasse Unstrut- Hainich Mühlhausen,
  • der Stadtverwaltung Mühlhausen und
  • der Bürgerstiftung Unstrut-Hainich
  • dem Autohaus Mosig
  • dem Baubetrieb Jonu scheit
  • Martin Selig.

Es ist so ähnlich wie in einer langjährigen Beziehung zwischen zwei Menschen – das Feuer am Leben zu halten, bedarf es für den Kunstwestthüringer e.V. harter Arbeit und der steten Pflege jeglicher Kommunikation. Die Notwendigkeit, sich zumindest in einigen Facetten neu zu erfinden – neben der Pflege des Bewährten, ist in dieser Zeit für den Kunstwestthüringer wohl besonders gegeben. An Ideen fehlt es nicht, fürwahr! Seit nunmehr zwanzig Jahren leistet der Kunstwestthüringer e.V. eine beeindruckende Arbeit, nicht nur in der wesentlichen Bereicherung der Kunstszene in der Region, sondern auch weit darüber hinaus. Für die erfolgreiche Fortsetzung dieser Arbeit – als ehrenamtliche Tätigkeit nach Volker Braun etwas „Wirklichgewolltes“! – ist ihm besonders viel Kraft und inneres Feuer und eine gehörige Portion Glück zu wünschen! Jetzt erst recht !

Juliane Döbel

Neue Chancen
Ein 20jähriges Jubiläum ist ohne Zweifel ein besonderer Anlass, neue Chancen zu vergeben und zu nutzen. 1990 stellte sich der Kunstwestthueringer e.V. mit seiner ersten Ausstellung vor. Es folgten starke Aktivitäten mit überregional anerkannten Ergebnissen, die ein enormes Potential an kreativer Energie in die Mühlhauser Kulturlandschaft brachte. Natürlich bestimmten Höhen und Tiefen den Verein, ähnlich wie in einer Partnerschaft. Nun stellt er sich in einer Sonderausgabe des MOMENT- Heftes etwas genauer und aktuell vor. So wird man sich ein Bild von den Künstlern und Kunstfreunden machen können, die hier und heute im Jubiläumsjahr im Kunstwestthueringer e.V. vertreten sind. Ein Grund mehr, sich neue Möglichkeiten zu suchen, die durchaus vorhanden sind. Ein geplantes Symposium in Italien, eine eigene Website, eine neue Lokalität in Bad Langensalza werden den Vereinsgeist noch mehr stärken. Und so arbeiten die Künstler der Kunstwestthueringer e.V. weiterhin daran, in unserer Region und darüber hinaus mit ihrer Kunst die Augen und den Geist ihrer Betrachter zu bereichern.

Judith Unfug-Leinhos