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Fragmente der Sinnlichkeit

foto-r-obst-ivnennt Elisabeth Weidemann ihre neue Ausstellung im KunstForum Gotha!
Die „Grande Dame“ der Thüringer Kunst lebt und arbeitet in Bad Langensalza und zeigt einen Überblick ihres reichen künstlerischen Schaffens.
Zu sehen sind Collagen, Montagen. grafische Mischtechniken, Handzeichnungen, Keramiken, Plastiken und Objekte von hoher künstlerischer Qualität.

Es gibt auch in der Kunst so etwas wie Liebe auf den ersten Blick! Bei Elisabeth Weidemanns Kunstwerken ist das so! Sie wirken vertraut, sprechen uns an, auch wenn man sie vorher nicht kannte; obwohl es eine große Dichte von Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen der Künstlerin gibt Die gezeigten Werke strahlen eine Vertrautheit aus, entfalten ein Charisma, das uns gefangen nimmt.

20160726-141209Ihre großen Vorbilder, Anreger und Vorlieben in der Kunst sind offensichtlich Kurt Schwitters, Hannah Höch, Max Ernst, Paul Klee, Gerhard Altenbourg und Gertraud Möhwald. Ihre künstlerischen Werke stehen auf Augenhöhe mit den Kunstwerken ihrer Vorbilder. Sie setzt mit ihren Arbeiten wichtige „Zeitzeichen“ und „Zerreißproben“ (ein Ausstellungstitel von 2013).

20160726Verfremdungen mit unterschiedlichen Materialien in ihren Collagen, immer neues Ausprobieren und Titel-und Themenfindungen kennzeichnen ihren Schaffensprozess. Dabei lotet sie die Schichten, das Dahinter, aus.

Der Kunsthistoriker Heiko Bruns schreibt in einer Rezension ihrer Ausstellung im Augustiner-Kloster Bad Langensalza: „Aus der These der steten Wandelbarkeit erwächst die innere Unruhe der Künstlerin als Produktivkraft. Ihre Kunst ist Teil der Erkundung der eigenen Psyche, als Reflexion ihrer Innen- und Außenwelt. Resultat sind sehr lebendige, lyrisch-poetische Bilder. Aus ihrer steten Unruhe heraus ist Elisabeth Weidemann eine meditative Brückenbauerin. Kreis und Spirale, Pfeile und Kreuze als Zeichen für ständige Wiederkehr stehen bei ihr nicht nur für Tod, sondern auch für Leben.“

20160726-135008Nach dem Leitmotiv ihrer künstlerischen Interessen und ihres Schaffens gefragt zitiert Elisabeth Weidemann Hannah Höch :“Das Leben! Symbole für Wachsen und Vergehen, für Liebe und Hass, für Verherrlichen und Verwerfen, aber auch die Suche nach Schönheit, im Besonderen nach versteckter Schönheit.“ So breitet die Künstlerin ihr Inneres, ihre Wünsche, Sehnsüchte, Vorstellungen und Ideale vor uns aus, denn ihre Bilder kommen vom Grund ihrer Seele. Elisabeth Weidemann ist als Künstlerin in allen ihren Arbeiten und Techniken eng mit den Problemen, Verwerfungen und Aufgaben unserer Zeit verbunden. Sie hinterfragt, spiegelt wider, reißt Schleier auf und regt zum Nachdenken an. Ihr ausgesprochen vielschichtiges Werk – in Themen und Techniken – gilt es zu entdecken. Der Betrachter ist von der Vielfalt, der künstlerischen Qualität und dem Reichtum Ihrer Phantasie fasziniert. Wunderbar ihre zarten, oft hintersinnigen Zeichnungen, ihre skurrilen „Erfindungen“.

Sie lädt den Betrachter zu einer Entdeckungsreise ein und regt bei ihm Phantasie und Fabulierkunst an. Tauchen wir also ein in die künstlerische Welt, die Ideen und Inhalte ihrer Werke; nehmen wir sie dankbar an!

Wenn Ludwig van Beethoven für die Musik sagt: “Licht senden in die Tiefe des menschlichen Herzens, des Künstlers Beruf.“ So trifft das in hohem Maße für die Kunst Elisabeth Weidemanns zu.

Kai Trautvetter
Kurator der Ausstellung